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Die hab‘ ich unterschätzt.
Jan Schurkus, Mitgründer der Freiraum GmbH

Die Idee …
… zu einer Kooperation mit STIHL entstand 2016 im Rahmen von Activatr, einem Programm, bei dem Gründer/-innen und Mitarbeitende etablierter Firmen in Teams innovative Geschäftsmodelle entwickelten. Die besten Ansätze führten zur Gründung von Start-ups . Aus einer mehrwöchigen Projektphase, unter anderem mit zwei STIHL Mitarbeitern, entstand so auch die ursprüngliche Idee für unsere Firma Freiraum. Ende 2019 haben wir – mein Mitgeschäftsführer Achim und ich – die Anteile des Start-ups Freiraum zu 100% übernommen.

Jan Schurkus

Unser Produkt …
… ist eine digitale Austauschplattform namens MemoMeister. Sie hilft Handwerksbetrieben, die tägliche Flut an betrieblichen Informationen zu bewältigen. Der Monteur kann – per Text oder Sprachnachricht – direkt auf der Baustelle dokumentieren, welche Arbeiten erledigt wurden, was noch zu tun ist und welche Probleme aufgetaucht sind. Das erleichtert den Informationsaustausch zwischen den Mitarbeitern und Firmenbüros, aber auch zwischen verschiedenen Handwerksbetrieben, die auf derselben Baustelle arbeiten. Wenn beispielsweise die Elektriker und Sanitärinstallateure fotografieren, wo sie in der Küche Strom- und Wasserleitungen verlegt haben, wissen die Leute von der Küchenbaufirma eine Woche später, dass sie dort auf keinen Fall Löcher in die Wand bohren dürfen.

Jan Schurkus

Digitale Kommunikation ist auf Baustellen eigentlich nichts Neues. Die Informationen fließen heute aber oft über WhatsApp oder ähnliche Kanäle. Und da fliegen berufliche und private Chats wild durcheinander, so dass man kaum eine Chance hat, bestimmte Infos zu finden. MemoMeister bietet eine übersichtliche Projektstruktur mit Ordnern, Unterordnern und Filtern wie etwa „defekte Geräte“. So weiß zum Beispiel die Werkstatt eines Gartenbau-Unternehmens sofort, welche Rasenmäher, Trimmer oder Häcksler repariert werden müssen.

Die Freiheit …
… war für uns die Grundbedingung für eine Kooperation mit STIHL. Das Unternehmen war bislang sehr auf seine Produkte fokussiert – da wäre es ja durchaus naheliegend zu sagen, wir könnten feine produktnahe Dienstleistungen entwickeln, beispielsweise ein Geräteflottenmanagement für Forstwirte oder Gartenbaufirmen. „Aber dafür sind wir nicht die Richtigen“, haben wir gleich gesagt. „Wenn ihr so etwas wollt, dann macht ein internes Start-up mehr Sinn.“

Jan Schurkus

Natürlich denkt STIHL auch an neue Services, die bislang nicht zum Portfolio gehören, die man den Kundinnen und Kunden künftig anbieten könnte. Aber das Unternehmen hat uns bei der Entwicklung von MemoMeister freie Hand gelassen. Das Ziel war immer, dass sich die Freiraum GmbH selbst trägt, und zwar ganz unabhängig von der Produktwelt und den klassischen Zielgruppen von STIHL. Es zeigte sich dann, dass die Kundengruppen und Anwender/-innen unseres Produktes MemoMeister primär aus dem Baugewerbe kommen, wie Sanitär, Heizung, Elektro und Klima – also aus Branchen, mit denen STIHL bislang nicht so viel zu tun hatte. Das führte 2019 zu der Entscheidung von STIHL, sich von seinen Anteilen an Freiraum zu trennen – und bot für uns die Chance, die Anteile zu 100% zu übernehmen.

STIHL ist …
… vielleicht nicht unbedingt als Pionier im Bereich Digitalisierung bekannt. Aber wenn die Entscheider dort erst einmal überzeugt sind, dann sind sie zu hundert Prozent dabei und lassen sich nicht vom Weg abbringen. Vorher dachte ich immer: Der STIHL – das ist so ein leicht verstaubter Mittelständler. Heute muss ich sagen: Die hab‘ ich unterschätzt.“