„Nachhaltigkeit ist kein flüchtiger Trend"

Karen Tebar, stellvertretende Vorsitzende des STIHL Beirats

Karen Tebar

Frau Tebar, sehen Sie Nachhaltigkeit als einen Trend an oder findet tatsächlich ein langfristiges Umdenken statt?

Karen Tebar: Ich glaube, es ist höchste Zeit für eine Veränderung unseres Denkens und Handelns. Das zeigt der tägliche Blick in die Nachrichten: Klimawandel, Hungersnöte, Flüchtlingsströme, Plastikmüll oder Artensterben. Und das erkennen viele Menschen zunehmend. Für uns alle heißt das: Nachhaltigkeit ist alles andere als ein flüchtiger Trend, sondern eine Notwendigkeit. Die Welt braucht unsere Hilfe. Auch die Politik setzt inzwischen mit Initiativen wie der Agenda 2030 der Vereinten Nationen oder dem Green Deal der Europäischen Union klare Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung. Um für alle Menschen eine lebenswerte Welt zu schaffen und zu bewahren, müssen wir in vielen Lebensbereichen selbst aktiv werden: Angefangen beim Umweltschutz über soziales Engagement bis hin zu fairem, gesetzestreuem und langfristig erfolgreichem Wirtschaften – alles muss mit allem zusammenwirken, um tatsächlich nachhaltig zu sein.

Warum liegt Ihnen das Thema persönlich am Herzen?

Karen Tebar: Wie manche vielleicht wissen, bin ich eine passionierte Reiterin und verbringe einen großen Teil meiner Freizeit in der Natur. Und dabei bemerke ich natürlich, wie diese sich verändert – in eine Richtung, die mir durchaus Sorge bereitet. Meine Familie und unser Unternehmen verstehen sich als Teil der Gesellschaft, der Verantwortung übernimmt: für die Umwelt und die Gemeinschaft. Das lässt sich anhand unserer Familiengeschichte sehr gut erklären: Mein Großvater gründete ein Unternehmen, das auf der Arbeit in und mit der Natur fußt.  Schon deshalb ist Nachhaltigkeit in unserer Familie gelebte Tradition, sie gehört seit Jahrzehnten fest zu uns und ist Teil unserer Wurzeln – genauso wie sie Teil der Unternehmenskultur von STIHL ist.  Diese Tradition will ich fortführen. Denn als Unternehmer sehen wir nicht nur das Leben, Arbeiten und Wirtschaften im Jetzt, sondern auch in der Zukunft. Das, was meine Familie in den letzten rund 100 Jahren aufgebaut hat, soll auch in den nächsten 100 Jahren noch Bestand haben können. Das gelingt nur, wenn wir und die nachfolgenden Generationen sich sorgsam verhalten – im Umgang mit der Umwelt ebenso wie mit den Menschen, den Ressourcen und der Wirtschaft.

Und warum ist Nachhaltigkeit für STIHL als Unternehmen wichtig?

Karen Tebar: Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen wir als Unternehmen nachhaltig handeln und investieren. Ein Ansporn für uns sind dabei auch die zahlreichen Verbesserungsvorschläge, die wir Jahr für Jahr aus der Belegschaft erhalten. Sie zeigen uns, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstehen, welcher Einsatz in Zukunft von uns allen gefordert ist, und dass sie aktiv mitgestalten wollen. Nicht zuletzt verlangen unsere Kunden zunehmend nachhaltige und innovative Produkte, fragen uns zum Beispiel nach der Herkunft von Werkstoffen und deren Recyclingfähigkeit. Wir können und wollen unseren Kunden diese Fragen glaubwürdig beantworten und ihnen weiterhin innovative Produkte anbieten - nur so bleiben wir wettbewerbsfähig. Übrigens auch auf dem Arbeitsmarkt.

Wo ist STIHL in punkto Nachhaltigkeit aus Ihrer Sicht heute schon gut aufgestellt, wo gibt es Nachholbedarf?

Karen Tebar: STIHL ist auf einem guten Weg: In vielen Bereichen engagieren wir uns schon seit Jahrzehnten. So begleiten wir zum Beispiel mit dem Bergwaldprojekt den Schutz des Waldes in Deutschland und die Aufforstung des Regenwaldes durch Kooperationen mit Fairventures auf Borneo oder in Uganda. Wir forcieren die Etablierung von Umwelt- und Sozialstandards in unserer Lieferkette und rücken die Biodiversität stärker in den Fokus. Außerdem werden wir klimaneutral. Unsere deutschen Standorte wirtschaften schon seit Januar 2021 klimaneutral. Im Unternehmen genießen Aus- und Weiterbildung sowie soziale Absicherung einen hohen Stellenwert. Darüber hinaus leisten wir mit der Unterstützung zahlreicher sozialer und kultureller Projekte einen Beitrag für eine positive gesellschaftliche Entwicklung. Nun gilt es, all diese Aktivitäten in eine übergreifende Strategie einzubetten und Schritt für Schritt voranzugehen. Alle Maßnahmen und Aktivitäten werden wir übrigens künftig öffentlich in einem Nachhaltigkeitsbericht dokumentieren – so kann uns jeder an unseren Zielen messen.

Was kann jeder einzelne STIHLer dazu beitragen?

Karen Tebar: Wir sind sehr froh über die  zahlreichen Vorschläge für Verbesserungen und Veränderungen, die uns schon heute aus der Belegschaft erreichen. Denn Nachhaltigkeit ist keine Nische und auch kein Trend, der wieder verschwindet. Deshalb sind wir alle gefragt, in unserem Tätigkeitsbereich immer wieder zu hinterfragen, wo und wie wir zu mehr Nachhaltigkeit beitragen können. Nachhaltigkeit muss Teil unserer täglichen Routine werden. Sei es bei der Einsparung von Energie in der Produktion und Logistik, bei der Auswahl neuer Lieferanten oder bei der Optimierung unserer Produkte im Hinblick auf Verbrauch, Material, Verpackung oder Recyclingfähigkeit. Ich setze dabei auf die Kreativität aller STIHLer: Bleiben Sie offen für neue Themen und denken Sie Grenzen neu!